Es ist ein Jahrzehnt vergangen seit der Ermordung der honduranischen Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres. Zehn Jahre, in denen ihr Name unaufhörlich als Symbol des Widerstands, aber auch der Straflosigkeit widerhallt. Heute geben ein unabhängiger Bericht und eine internationale Mobilisierung der Forderung nach Gerechtigkeit neuen Auftrieb. In diesem Zusammenhang werden Bertas Schwiegersohn sowie eine der Autor:innen des Berichts im Rahmen einer Speaking Tour durch Europa die Schweiz besuchen.
Am 2. März 2016 wurde Berta Cáceres, Vertreterin der Lenca-Gemeinschaft- und Mitbegründerin des COPINH, in ihrem Haus in Honduras ermordet. Kurz zuvor hatte sie den Goldman Environmental Prize erhalten -die weltweit höchste Auszeichnung für Umweltengagement - für ihren Kampf gegen das Wasserkraftprojekt Agua Zarca. Zehn Jahre später sind einige der unmittelbaren Täter verurteilt worden, doch die eigentlichen Auftraggeber – Unternehmen, Entwicklungsbanken und einflussreiche Machtstrukturen – wurden bislang nicht zur Rechenschaft gezogen. Genau diese strukturelle Straflosigkeit stellt nun der am 12. Januar 2026 veröffentlichte Abschlussbericht der unabhängigen Expert:innen (GIEI) der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte infrage.
Nach elf Monaten Ermittlung, legt der der Bericht mit bisher unerreichter Genauigkeit dar, welche Verantwortung staatliche Stellen, Unternehmen und internationale Finanzakteur:innen an dem Mord tragen. Er macht insbesondere deutlich, welche Rolle Entwicklungsbanken bei der Finanzierung des Projekts Agua Zarca gespielt haben, und entwickelt einen umfassenden Vorschlag für Wiedergutmachung, ergänzt durch konkrete Empfehlungen an die honduranische Regierung.
Diese Aufarbeitung von Erinnerung und Wahrheit stellt einen wichtigen Schritt im langjährigen Kampf um Gerechtigkeit für Berta Cáceres dar.
Eine Speaking Tour durch Europa mit dem COPINH
Im Rahmen einer von Peace Brigades International organisierten Speaking Tour durch Europa werden Roxanna Altholz, eine der Autorinnen des Berichts, sowie Camilo Bermúdez, Schwiegersohn von Berta Cáceres und Mitglied des COPINH, in die Schweiz kommen. Hier werden sie die Ergebnisse des Berichts bei den relevanten Menschenrechtsmechanismen der Vereinten Nationen vorstellen. PBI begleitet ihre Advocacy-Arbeit während der gesamten Tour, insbesondere in Genf, damit ihre Stimmen dort gehört werden, wo Entscheidungen getroffen werden.
Da Gerechtigkeit auch im öffentlichen Raum entsteht, laden wir zudem zu einem Abend des Gedenkens und des Austauschs ein. Am Dienstag, 2. Juni 2026, findet im Grütli Genève (Salle Fonction: Cinéma) eine Dokumentarfilmvorführung mit anschliessender Diskussion mit Roxanna Altholz und Camilo Bermúdez statt. Eine seltene Gelegenheit, direkt die Stimmen derjenigen zu hören, die diesen Kampf tragen – und gemeinsam daran zu erinnern, warum der Name von Berta Cáceres nicht verstummen darf, bis Gerechtigkeit erreicht ist.
Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung werden in Kürze auf unserer Website veröffentlicht.
Weitere Informationen:
- 170 organizaciones de la sociedad civil reclaman justicia para Berta, PBI España, 02.03.2026
- PBI Honduras insta a la comunidad internacional a velar por la seguridad del COPINH tras la presentación del informe final del GIEI,PBI Honduras, 15.01.2026
- Honduras / Schweiz: Präsentation des unabhängigen Berichts zum Fall Cáceres, PBI Schweiz 18. Juni 2018,
- Kurzfilm - Berta Didn't Die, She Multiplied!, PBI Schweiz, 13. März 2018
- Mord an Berta Cáceres, honduranische Menschenrechtsaktivistin, PBI Schweiz, 8. Mai 2016