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Lisa Stalder: Eindrücke aus den ersten Monaten in Kolumbien

Lisa Stalder: Eindrücke aus den ersten Monaten in Kolumbien
LS

Seit fünf Monaten bin ich nun in Kolumbien, im tropisch heissen Urabá. Momentan bin ich Teil eines sechsköpfigen Feldteams aus Spanien, Frankreich und der Schweiz. Von unserem Sitz in Apartadó aus begleiten wir die Friedensgemeinde von San José de Apartadó, den Bauern und Bäuerinnenverband der Finca la Europa und die Ökumenische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (Comisión Intereclesial de Justicia y Paz) in abgelegene Dörfer durch den Urwald auf Maultieren, Mototaxis oder Motorbooten.

Paramilitärs dringen in geschützte Gebiete ein

So schön diese Ecke Kolumbiens auch ist, sie ist geprägt vom bewaffneten Konflikt im Land. Die Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen der kolumbianischen Regierung und der Farc hat daran bisher noch nichts verändert. Meine ersten Monate im Projekt waren nicht immer einfach. Der Arbeitsaufwand ist sehr hoch und es ist viel passiert in letzter Zeit. Im Februar hat PBI sein Unterstützungsnetzwerk für die Region von Urabá aktiviert. Nach dem Rückzug der Farc war die paramilitärische Offensive gerade hier besonders spürbar. Die begleiteten MenschrechtsverteidigerInnen und Organisationen wurden mehrmals bedroht und die Paramilitärs drangen in eine humanitäre Zone von Cacarica und Grundstücke der Friedensgemeinde San José de Apartadó ein. Letztere stehen unter einstweiligem Rechsschutz des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Durch den Rückzug der Farc ist ein Vakuum entstanden, welches nun von anderen bewaffneten Gruppen ausgefüllt wird.

20 Jahre San José de Apartadó

Bevor ich nach Kolumbien abreiste, hat mir ein ehemaliger PBI-Freiwilliger einen Rat mitgegeben: Manchmal scheint die Lage hoffnungslos und man denkt, dass man gegen all die Gewalt nicht viel ausrichten kann. Doch dann sieht man all diese kleinen aber schönen und wertvollen Dinge und man weiss, dass es Sinn macht sich weiter dafür einzusetzen. Ich muss sagen, dass es mir hier nicht an Gründen mangelt, weiterzumachen. Ich bin sehr beeindruckt vom hohen Organisationsgrad der begleiteten Gemeinden, dem Mut, welche die MenschenrechtsverteidigerInnen an den Tag legen, dem Wissen, das sie über die Jahre des friedlichen Widerstands aufgebaut haben und dem Modell einer alternativen Gesellschaft, welches sie uns allen vorleben. Die Friedensgemeinde von San José de Apartadó hat am vergangenen 23. März ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Die Gemeinde gedachte an diesem Tag allen ihren Mitgliedern, die im Konflikt umgebracht wurden. Doch konnte sie auch auf viele Errungenschaften zurückblicken. Die Begleitung von PBI sowie die internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung, die die Gemeinde mittlerweile erhält, zählt zu diesen Erfolgen.

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