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Besuch eines kolumbianischen Gemeinschaftsführers in der Schweiz

Besuch eines kolumbianischen Gemeinschaftsführers in der Schweiz
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Vom 26. bis zum 30. Mai besuchte der kolumbianische Menschenrechtsverteidiger Enrique Cabezas auf Einladung von PBI die Schweiz. Er setzt sich für die Landrückgabe an die Bauerngemeinschaften in der Region des Curvaradó ein.

Enrique Cabezas hat in Begleitung von PBI in Genf und Bern Gespräche mit VertreterInnen der UNO, der Schweizer Behörden und der Zivilgesellschaft geführt. In Genf hielt er Sitzungen in den Büros der UN-SonderberichterstatterInnen gegen Folter und gegen die Gewalt an Frauen ab und besuchte den Service international pour les droits humains. In Bern sprach er mit VertreterInnen des Departements für auswärtige Angelegenheiten.

Der kolumbianische Aktivist hatte zudem die Möglichkeit über seine Erfahrungen und Arbeit im Rahmen von drei öffentlichen Veranstaltungen in Bern, Basel und Lausanne zu berichten sowie am PBI-Trainingswochenende in Freiburg. In Basel tauschte Enrique Cabezas auch mit den beiden Schweizer PBI-Freiwilligen, Tanja und Eduardo, aus, was für ergreifende Momente sorgte.


Kontext

Enrique Cabezas ist im Flussbecken des Curvaradó geboren und aufgewachsen. Sein Leben wurde völlig verändert als 1996 die kolumbianische Armee und paramilitärische Gruppierungen im Rahmen der Operation Septiembre Negro (schwarzer September) in die Gegend eindrangen. Tausende von Personen wurden gezwungen ihr Land zu verlassen.

Kampf um die Landrückgabe

Sieben Jahre nachdem Enrique mit seiner Familie gewaltsam vertrieben worden war, kehrten sie wieder auf ihr Land zurück. Unterdessen wurde das Land jedoch von Grossgrundbesitzern genutzt, die dort Ölpalmen und Bananen angepflanzt hatten.

Die Bauerngemeinschaften fingen an, der kolumbianischen Regierung ihr Land zurück zu fordern. Es folgten Gerichtsentscheide zugunsten der Kleinbauern. Die Situation vor Ort bleibt bis heute aber unverändert und die landwirtschaftlichen Unternehmen sind immer noch präsent.

Der Prozess der Landrückgabe geht mit zahlreichen Bedrohungen gegen die Mitglieder der Gemeinschaften einher. Auch Enrique ist Opfer von mehreren Mordversuchen geworden.

Flucht ins Exil

Im Januar 2014 hat Enrique bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, um Unternehmer in der Region sowie die Armee und Paramilitärs anzuklagen. Er betonte dabei die Verantwortung dieser Akteure in der Vertreibung der Gemeinschaften sowie die zahlreichen Morde und andere Übergriffe gegen Gemeinschaftsmitglieder. Infolgedessen wurde er Opfer von Bedrohungen, Überwachungen und Anschlägen. Aufgrund dieser äusserst schwierigen Sicherheitslage, musste er im August des gleichen Jahres das Land verlassen.

Unterstützung von Aussen

Im Landrückgabeprozess werden die Gemeinschaften des Curvaradó von der kolumbianischen Organisation Ökumenische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (Comisión Intereclesial de Justicia y Paz, CIJP) unterstützt. Diese Organisation wird seit 1994 von PBI begleitet.

Veranstaltungen

Lausanne 26.05.2015
Table ronde "Construction de la paix dans une zone de conflits" Colombie / Palestine

Bern 27.05.2015
Kolumbien: Solidarische Kooperation für die Friedensförderung

Basel 28.05.2015
Bedroht, vertrieben, geflohen: Der Kampf um Landrechte in Kolumbien