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AktivistInnen aus Mexiko und Guatemala am UN-Forum zu Wirtschaft und Menschenrechte

AktivistInnen aus Mexiko und Guatemala am UN-Forum zu Wirtschaft und Menschenrechte
jk

Vom 14. bis 16. November 2016 fand in Genf das UN-Forum zu "Wirtschaft und Menschenrechte" statt. Zu diesem Anlass reisten die von PBI begleiteten MenschrechtsverteidigerInnen Cristina Auerbach und María Esmeralda Saldaña aus Mexiko und Omar Jerónimo aus Guatemala in die Schweiz.

Das jährlich stattfindende Forum der Vereinten Nationen in Genf hat zum Ziel, die Herausforderungen der Umsetzung der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte zu diskutieren und den Dialog zwischen Unternehmen, Regierungen und der Zivilgesellschaft zu ermöglichen. Denn oftmals werden die Menschenrechte zu Gunsten wirtschaftlicher Interessen ignoriert und verletzt.

Sensibilisierung der internationalen Gemeinschaft

Die drei von PBI begleiteten MenschenrechtsverteidigerInnen (MRV) führten in Genf mit verschiedenen internationalen Akteuren Gespräche und nahmen aktiv am Forum für Wirtschaft und Menschenrechte teil. In Bern gaben Cristina Auerbach und María Esmeralda Saldaña Radio RaBe ein Interview und trafen sich mit VertreterInnen des EDA. Omar Jerónimo berichtete am Forum in Genf bei der Veranstaltung "How many more killings & threats? Solutions to protect human rights defenders working on extractives in Latin America" über seine Erfahrungen als MRV in Guatemala. An diesem Anlass war auch die Tochter der ermordeten honduranischen Aktivistin Berta Cáceres, Laura Zuniga Cáceres als Rednerin anwesend. Einen Bericht von PBI zur Podiumsdiskussion finden sie hier.

Die Gäste waren zudem an der Vernissage der Fotoausstellung zu den 35 Jahren von PBI in Lausanne dabei. Weiter berichteten sie an der öffentlichen Veranstaltung "Gewalt in Lateinamerika gestern und heute" in Bern über die Menschenrechtssituation in Guatemala und Mexiko.


Medienberichte


Kontext

Sowohl in Mexiko als auch in Guatemala gehören Menschenrechtsverletzungen zum Alltag. Nationale und internationale Konzerne dringen in den Lebensraum von indigenen und sozial benachteiligten Gemeinschaften ein, um Ressourcen zu gewinnen. Dies ohne die Bevölkerung vorher zu konsultieren, wie es u.a. in der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation vorgesehen wäre. Weiter kommt es oft zu massiver Umweltverschmutzung, von welcher die Gemeinschaften direkt betroffen sind.

Mexiko: Prekäre Bedingungen für Bergwerkarbeiter

Im Norden Mexikos wird seit über einem Jahrhundert Kohle abgebaut. Die Konsequenzen daraus sind der Tod von über drei Millionen Minen-Arbeitern und Umwelt- sowie Gesundheitsschäden, von welchen bisher über 73 Millionen Personen betroffen sind. Die Minen befinden sich zu nahe am Wohngebiet und die Bedingungen für die Bergwerkarbeiter sind prekär.

2006 kam es in der Mine 8, Einheit Pasta de Conchos in Coahuila zu einer Explosion, bei welcher 65 Arbeiter ihr Leben verloren. Daraufhin gründete Cristina Auerbach zusammen mit betroffenen Familien die Organización Familia Pasta de Conchos (OFPC), welche für die Bergung der Überreste der Verstorbenen und für Gerechtigkeit in diesem Fall kämpft. Die Arbeit der Organisation beinhaltet inzwischen auch die Unterstützung von Bergwerkarbeitern, welche für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen und von Gemeinschaften, welche vom illegalen Kohleabbau in der Region negativ betroffen sind.

Cristina Auerbach und Maria Esmeralda Saldaña werden aufgrund ihrer Arbeit regelmässig Opfer von Drohungen und Belästigungen. Aufgrund des grossen Risikos, welchem die Mitglieder der OFPC wegen ihres Einsatzes für Menschenrechte ausgesetzt sind, wird die Organisation seit 2014 von PBI begleitet.

Guatemala: Indigene Gemeinschaften kämpfen gegen Wasserkraftwerke

Der Zentralverband der Chortí-Bauern Nuevo Día (CCCND) setzt sich seit 2003 in diversen Gemeinden Guatemalas für die Land-, Umwelt- und kulturellen Rechte der indigenen Gemeinschaften ein. Der Druck auf die Gemeinschaften ist in den letzten Jahren stark gewachsen, da wirtschaftliche Grossprojekte ihren Lebensraum bedrohen. 

Die Maya Chortí bilden eine der vielen indigenen Gruppen Guatemalas. Als KleinbäuerInnen und SelbstversorgerInnen machen ihnen Wassermangel und Trockenheit zu schaffen. Hinzu kommt, dass in der Chiquimula Region mehrere Wasserkraftwerke geplant sind, um elektrische Energie ins Ausland zu verkaufen, wobei viele Bauerngemeinschaften selbst keinen Zugang zu Strom haben. CCCND bemängelt, dass die Gemeinschaften nicht konsultiert und nur mangelhaft informiert wurden.

Omar Jerónimo ist der Koordinator der CCCND, welche seit 2009 von PBI begleitet wird. Die Lage für MRV in Guatemala verschlechtert sich kontinuierlich. Es kommt regelmässig zu Drohungen, Einschüchterungen und Verleumdung gegen die Organisation CCCND und ihre Mitglieder.


Veranstaltungen

Lausanne

35 Jahre PBI: Vernissage zur Fotoausstellung

16.11.16, 18:30, Pôle Sud, Av. Jean-Jacques Mercier 3, 1003 Lausanne

Bern

Gewalt in Lateinamerika gestern und heute

17.11.16, 18:00, Unitobler Bern, Saal F013, Lerchenweg 36, 3012 Bern