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Gleichstellung für die Bäuerinnen in Honduras: PBI im Gespräch mit der Aktivistin Nora Ramírez

Bauernfrauen in Honduras: ein persönliches Gespräch mit der Aktivistin Nora Ramírez
kb

Die Menschenrechtsverteidigerin Nora Ramírez besuchte im November 2019 die Schweiz. Sie sprach mit PBI über den Kampf der honduranischen Bäuerinnen für die Gleichstellung und wie wichtig es ist, auch die Männer zu sensibilisieren. Die 35-Jährige ist eine Schlüsselfigur für Genderthemen in der Bauernorganisation CNTC und unterstützt Frauen in der Region Yoro, im Norden des Landes.

Mit 17 Jahren beschäftigte sich Nora Ramírez zum ersten Mal mit Bäuerinnen- und Frauenrechten. Die Mutter ihres Freundes war damals im Rahmen der Bauernorganisation CNTC aktiv und begann Nora an Frauentreffen in ihrem Dorf mitzunehmen. An diesen Treffen erzählten Frauen von ihren häuslichen Problemen, den Schwierigkeiten als Frauen an Kredite zu gelangen und dass ihre Ehegatten ihnen nicht erlaubten, sich öffentlich zu äussern. Obwohl Nora selber nicht unter solchen Einschränkungen litt, begann sie sich für diese Fragen zu interessieren. «Ich war davon ausgegangen, dass alle Frauen dieselben Möglichkeiten haben oder zumindest von ihren Ehemännern gehört und unterstützt werden. Diese Treffen zeigten mir, dass dem nicht so ist und ich begann, die Probleme der Frauen zu erkennen». Sie lernte, dass Frauen in der stark patriarchalen Gesellschaft Honduras sozial, politisch und wirtschaftlich benachteiligt sind und zuhause oft von ihren Ehemännern und Söhnen unterdrückt werden.

Auch die Männer müssen sensibilisiert werden

So wuchs Nora Ramírez allmählich in ihre Akvistinnenrolle hinein und als ihre Schwiegermutter erkrankte, übernahm sie die Leitung der regionalen Frauentreffen. Seit vier Jahren leitet sie die Genderthematik der Bauernorganisation CNTC auf regionaler Ebene im Departement Yoro im Norden Honduras. Neben Aufklärungsarbeit, öffentlichen Protesten für die Frauenrechte und Begleitung von Frauen in schwierigen Situationen, sensibilisiert sie auch Männer. Das ist besonders wichtig, damit Frauen Raum zur Entfaltung erhalten: «Wir zeigen ihnen zum Beispiel, dass nicht nur wir Frauen, sondern alle für den Haushalt zuständig sind, die ganze Familie». Nora ist stolz über die erreichten Resultate in dieser Hinsicht. In der Struktur der CNTC hat sich auch einiges getan, namentlich in der Besetzung von Ämtern durch Frauen. Im nationalen Vorstand der Organisation sind aktuell drei Frauen und vier Männer vertreten.

Kriminalisierung als zusätzliche Hürde

Die Kriminalisierung von Frauen, die sich in Honduras für ihre Rechte einsetzen, hat in den letzten Jahren zugenommen. Das ist laut Nora vor allem der erhöhten Zahl von weiblichen Aktivistinnen zuzuschreiben. Die Sicherheitskräfte verhaften immer wieder Bäuerinnen und Bauern, die namentlich Widerstand gegen Megaprojekte leisten, beschuldigen sie für Verbrechen, die sie nicht begangen haben, und fordern Geld für deren Freilassung ein. Danach sind sie in endlose Prozesse verwickelt. Die Kriminalisierung ist für Frauen besonders schwierig, meint Nora, da sie wenig Geld für die Kosten solcher Verfahren haben. «Manchmal müssen sie ihre Kinder zuhause ohne Essen zurücklassen, weil sie zum Gericht fahren müssen. Das bedeutet zusätzliche Hürden für die Frauen, die es sonst schon schwierig im Leben haben». Von der Speaking Tour durch Europa erhofft sich die Aktivistin eine erhöhte Sichtbarkeit der Situation der LandrechtsverteidigerInnen in Honduras.

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