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Esdra Sosa: „Solange ich lebe und meine Stimme habe, werde ich nicht aufhören, mich für die Rechte von LGBTIQ+-Personen einzusetzen.“

Esdra Sosa: „Ich werde nicht aufhören, mich für die Rechte von LGBTIQ+-Personen einzusetzen, solange ich lebe und meine Stimme habe.“

Als Direktorin der Asociación LGTB Arcoíris in Honduras setzt sich Esdra Sosa seit über zwanzig Jahren für die Rechte von Menschen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ein - in einem Land, in dem Menschenrechtsverteidiger*innen schweren Gewalttaten ausgesetzt sind und Straftaten oft unbestraft bleiben. Im Gespräch mit PBI spricht sie über die Bedrohungen, denen LGBTIQ+-Personen in Honduras ausgesetzt sind, und betont ihre Entschlossenheit, ihr Engagement trotz der Risiken fortzusetzen. 

Im Rahmen einer von PBI organisierten Speaking Tour war Esdra Sosa kürzlich in Genf - gemeinsam mit Daniela Mondragón von SOMOS CDC, welche ebenfalls von PBI Hondruas begleitet wird. Sie nahmen an der Vorbereitungssitzung des Universal Periodic Reviews (UPR, Allgemeines Periodisches Überprüfungsverfahren) von Honduras teil und trafen Vertreter*innen der UNO, Mitgliedstaaten und NGO's, um über die Menschenrechtslage in ihrem Land zu berichten. Anschliessend setzten sie ihre Speaking Tour in Norwegen, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich fort. 

Aus eigener Erfahrung für Menschenrechte eintreten

Esdra ist lesbisch und seit über zwei Jahrzehnten als Aktivistin tätig. Bei Arcoíris, einer 2003 gegründeten Organisation mit Sitz in Tegucigalpa, setzt sie sich unermüdlich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transpersones und der gesamten LGBTIQ+-Community ein. Ihr Engagement umfasst insbesondere politische Advocacy-Arbeit, die Dokumentation von Hassverbrechen sowie Massnahmen zur Prävention im Bereich sexueller und reproduktiver Gesundheit und sexuell übertragbarer Krankheiten.

„Meine Motivation liegt darin, dass ich selbst Teil der LGBTIQ+-Community bin. Ich setze mich für die Rechte meiner Mitmenschen ein – für Menschen wie mich“, erklärt sie. Sie ergänzt: „Das Engagement für die Wahrung der Rechte treibt mich an; ich habe mich schon immer für Gerechtigkeit eingesetzt.“ Ihr Bericht macht den unermüdlichen Kampf um Würde sichtbar in einem Land, in dem laut Daten von Arcoíris in den letzten Jahren über 560 LGBTIQ+-Personen ermordet wurden und die Straflosigkeit mehr als 90% beträgt. 

Dreifache Diskriminierung: Geschlecht, sexuelle Orientierung und Identität

„In Honduras ist LGBTIQ+-Aktivismus nicht nur schwierig, sondern auch gefährlich“, beschreibt Esdra. Als Frau, Lesbe und erwachsene Person ist man einer dreifachen Diskriminierung ausgesetzt: „In meinem Land wird das weibliche Geschlecht abgewertet, aber die Diskriminierung wird zusätzlich verstärkt, wenn man zur LGBTIQ+-Community gehört und dazu noch erwachsen ist. [(…)] Ab einem Alter von 30 Jahren erhält man kaum noch Stellenangebote.“

Im Gesundheitswesen ist die Situation ebenso alarmierend. Lesbische und bisexuelle Frauen sind mit struktureller Diskriminierung konfrontiert: nicht einvernehmliche medizinische Eingriffe, verbale Gewalt und Stigmatisierung. „Wir werden als krank, kriminell oder als Menschen dargestellt, die nur wegen sexuell übertragbarer Krankheiten zum Arzt gehen“, kritisiert sie.

Auch der Zugang zur Justiz ist eingeschränkt. Oft werden Verbrechen gegen LGBTIQ+-Personen nicht als Hassverbrechen eingestuft. „Wenn wir als LGBTIQ+-Personen getötet werden, wird der Fall lediglich als „Mord“ oder „Femizid“ eingestuft, selbst wenn das Opfer eine Transperson ist“, betont Esdra.

Zwischen Widerstandsfähigkeit und Fortschritten

Trotz zahlreicher Hindernisse hebt Esdra mehrere wichtige Fortschritte hervor: die berufliche Ausbildung von Aktivist*innen innerhalb von Arcoíris, die nationale und internationale Anerkennung – nicht nur der LGBTIQ+-Identität der Organisation, sondern auch ihrer Arbeit im Bereich Verteidigung und Schutz. Sie erwähnt zudem die Teilnahme an internationalen Foren wie dem UPR.

Für Esdra ist die Präsenz bei der UNO eine einzigartige Gelegenheit, den honduranischen Staat aufzufordern, die Empfehlungen internationaler Mechanismen anzunehmen und umzusetzen. Während des UPR hat sie sich lautstark für eine historisch ausgegrenzte Gemeinschaft eingesetzt und Reformen des Strafgesetzbuches gefordert: zur Ahndung von Gewalt gegen LGBTIQ+-Personen, zur rechtlichen Anerkennung von Geschlechtsidentitäten und zur Umsetzung des und internationalen Urteils im Fall Vicky Hernández, einer Transfrau, die 2009 in Honduras von der Polizei ermordet wurde.

PBI als unverzichtbare Unterstützung

Esdra betont schliesslich die entscheidende Rolle von PBI: „PBI war die Stütze, die uns vor dem Sturz bewahrt hat und es uns ermöglicht, weiter für die LGBTIQ+-Gemeinschaft zu kämpfen. Ihre Präsenz gibt uns die Kraft zu sagen, dass diese Situation nicht so bleiben kann“.Dank der internationalen Präsenz von PBI konnte die Vereinigung Arcoíris Beschwerden einreichen, von den Behörden angehört werden und ihre Arbeit auf nationaler und internationaler Ebene sichtbar machen.

Sie schliesst das Gespräch mit einem Lob für die Arbeit von PBI, einer Organisation, „die zwar keinen direkten Einfluss auf Entscheidungsträger*innen hat, aber Verstösse beobachtet, anprangert und so einen unverzichtbaren Schutz gewährleistet“.

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