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Zwischen Frieden und Gewalt: Kolumbien und Guatemala nach den Friedensverträgen

Zwischen Frieden und Gewalt: Kolumbien und Guatemala nach den Friedensverträgen
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Vom 18.-25. März 2017 besuchten die MenschenrechtsverteidigerInnen Berenice Celeita aus Kolumbien und Marcos Ramírez aus Guatemala die Schweiz. Im Gespräch mit nationalen und internationalen Behörden, NGOs sowie der Öffentlichkeit sprachen die beiden AktivistInnen über die Herausforderungen in der Umsetzung der Friedensverträge in beiden Ländern und machten auf die aktuelle Menschenrechtssituation aufmerksam.

Genf

Die Speaking Tour begann für zwei Tage in Genf mit einem Besuch beim UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte. Berenice Celeita und Marcos Ramírez bot sich die Möglichkeit, mit internationalen VertreterInnen über die Lage der Menschenrechte in Guatemala und Kolumbien auszutauschen. Sie sprachen über bedrohte indigene und Bauerngemeinschaften, den Unmut in der Bevölkerung aufgrund der sozialen Ungleichheit und Gewalt, die umweltschädliche Ausbeutung natürlicher Ressourcen durch Mega-Projekte, die Kooperation mit regionalen Behörden und die Umsetzung der Friedensverträge. Die beiden AktivistInnen hatten in Genf zudem die Möglichkeit mit StudentInnen und NGO-VertreterInnen über diese Themen zu sprechen.

Freiburg

Am dritten Tag der Speaking Tour erwartete die MenschenrechtsaktivistInnen an der Universität Freiburg ein voller Vorlesungssaal. Die StudentInnen hörten gespannt zu und es war lediglich das Tippen auf den Computern zu hören. Marcos zeichnete die Zusammenhänge zwischen Armut, Frieden und Machteliten in Guatemala auf. Berenice berichtete anschliessend von ihrer Arbeit bei der Menschenrechtsorganisation Nomadesc und dem kürzlich unterzeichneten Friedensvertrag in Kolumbien. Das Publikum erfuhr, dass Friedensverträge ein wichtiger Meilenstein sind, aber ein nachhaltiger Frieden nur möglich ist, wenn die Menschen nicht mehr unter Armut und sozialer Ungleichheit zu leiden haben. Marcos sprach aus Erfahrung, denn in Guatemala wurden die Friedensverträge bereits vor 20 Jahren unterzeichnet. Dort herrscht noch immer ein gewaltgeladenes Klima, in dem fast täglich MenschenrechtsverteigerInnen angegriffen werden und die Straflosigkeit bei über 90% liegt. Berenice und Marcos vermittelten den StudentInnen, dass die Realität in Guatemala und Kolumbien trotz Friedensverträge weit entfernt von einem friedlichen Miteinander ist.

Bern

Am vierten Tag der Speaking Tour fand in Bern ein Rundtisch zu den Friedensverträgen im Kompetenzzentrum für Friedensförderung (KOFF) statt und am fünften Tag nahmen die AktivistInnen an einer weiteren öffentlichen Veranstaltung mit dem Titel «Zwischen Frieden und Gewalt: Eindrücke aus der Menschenrechtsarbeit in Guatemala und Kolumbien» teil. Berenice und Marcos sprachen über die Menschenrechtslage in ihren Ländern und beantworteten im Anschluss viele Fragen. Corsin Blumenthal und Tanja Vultier, die kürzlich aus Guatemala und Kolumbien zurückgekehrt sind, gaben anschliessend anhand ihrer Erfahrungen als PBI-Freiwillige Einblicke in die Menschenrechtsarbeit vor Ort. Es wurde schnell klar, dass die Begleitung von PBI ausschlaggebend ist, damit die MenschenrechtsaktivistInnen ihre Arbeit fortführen können. Berenice sagte: «Ich bin Dank der internationalen Begleitung am Leben». Der Abend war sehr gelungen und interessant.

Am Samstag war es Zeit, uns von Marcos und Berenice zu verabschieden und ihnen einen guten Flug nach Düsseldorf zu wünschen. Die mehrwöchige Speaking Tour führte sie nebst der Schweiz auch nach Irland, Belgien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Holland und Norwegen.

Dank ihrer langjährigen Erfahrung als MenschenrechtsverteidigerInnen konnten uns Marcos Ramírez und Berenice Celeita wertvolle Einblicke in die Friedensprozesse in ihren Ländern geben. Wir danken ihnen ganz herzlich für ihr Engagement und wünschen alles Gute für die Zukunft.


Medienberichte

Arrecian paramilitarización y asesinatos en Colombia, 4. April 2017, Swissinfo

"La paz debe decidirse en las regiones", 4. April 2017, Swissinfo


Biografien

Berenice Celeita (Nomadesc)

Berenice Celeita, Präsidentin von Nomadesc, setzt sich seit 1985 für die Menschenrechte in Kolumbien ein. Damals verschwanden elf Personen bei der militärischen «Rückeroberung» des Obersten Gerichtshofs in Bogotá, der von der damaligen Guerrilla M-19 besetzt worden war. Die forensische Anthropologin arbeitete jahrelang zu dem Fall und begleitete die Familien der Verschwundenen. Die von Nomadesc begleiteten Gemeinschaften sind direkt vom Friedensabkommen zwischen den FARC und der Regierung betroffen. Daher kann Berenice Celeita aus erster Hand von dessen Auswirkungen berichten. Für die Postkonflikt-Phase glaubt Nomadesc nur dann an einen nachhaltigen Frieden, wenn die Gemeinschaften und ihre Bedürfnisse bei der Umsetzung genügend mit einbezogen werden. Nomadesc leistet u. a. Forschungs- und Aufklärungsarbeit zu den Ursachen und Folgen des bewaffneten Konflikts. Sie konzentrieren sich insbesondere auf die Auswirkungen multinationaler Unternehmen auf die Gemeinschaften vor Ort, sowie allgemein auf Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie beraten zudem vertriebene Gemeinschaften, AfrokolumbianerInnen, Indigene, Frauenorganisationen und Kleinbauern und Kleinbäuerinnen juristisch und fördern den Austausch zur gemeinsamen Erarbeitung von alternativen Lebensmodellen für die Gemeinschaften

Marcos Ramírez

Marcos Ramírez gehört zu den AnführerInnen des Gemeinschaftsrats von La Primavera in Ixcán, Guatemala. Diese Region litt stark unter dem Bürgerkrieg (1960-96). Er ist zudem Ratsmitglied der Opfervereinigung des Ixcán. Im Dorf La Primavera leben heute Familien, die Anfang der 80er Jahre aufgrund des Bürgerkriegs in die Wälder flüchteten. Zurückgezogen organisierten sie sich als Gemeinschaften im Widerstand (Comunidades de Población en Resistencia CPR-Ixcán). In den 90er Jahre konnten die Vertriebenen auf ihr Land zurückkehren. Im Kontext der Friedensverhandlungen zwischen den Guerillaorganisationen und der Regierung in den 90er Jahren vertrat Marcos Ramírez die Gemeinschaften im Widerstand. Er brachte deren Stimme in die Empfehlungen der Zivilgesellschaft an die Verhandlungstische ein. Danach war Ramírez aktiv an der Umsetzung der Verträge für die Neuniederlassung der vom Krieg vertriebenen Bevölkerung beteiligt.


Vergangene Veranstaltungen

Freiburg

Mittwoch, 22. März, 17:15 bis 19:00 Uhr, Universität Freiburg, Campus Miséricorde 03.3115, Av. de l'Europe 20, 1700 Freiburg

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Bern

Freitag, 24. März, 18:30 Uhr, Amnesty International Schweiz, Speichergasse 33, 3001 Bern

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