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Guatemala: Der Widerstand der Chorti

Norma Sancir
kb

Norma Sancir ist für die Kommunikation bei der von PBI begleiteten guatemaltekischen Organisation Central Campesina Chorti Nuevo Dia (CCCND) verantwortlich. Im September war sie in Genf am UNO-Menschenrechtsrat. PBI sprach mit der Journalistin über ihr Engagement für das indigene Volk der Chorti.

Das Territorium der Chorti befindet sich westlich von Guatemala im sogenannten trockenen Korridor, einer Region, die von Dürre gekennzeichnet ist. Die Chorti leben mehrheitlich von der Landwirtschaft und leiden aktuell nicht nur unter der Trockenheit, sondern auch unter wirtschaftlichen Megaprojekten, die ihre Lebensgrundlage gefährden. In der Region haben sich Unternehmen niedergelassen, die sich grösstenteils in ausländischem Besitz befinden, wie zum Beispiel die Antimonmine in Olopa. Die kommerzielle Ausbeutung des Landes treibt die indigene Bevölkerung noch stärker in die Armut. Sie hat gemäss Sancir zu einer erheblichen Entwaldung, grösseren Verschmutzung des Bodens und des Wassers und zum Auftreten neuer Krankheiten geführt. «Die Situation der Chorti, die aufgund von Rassismus und Diskriminierung bereits prekär ist, hat sich in den letzten acht Jahren weiter verschlechtert», berichtet die Aktivistin. «Das Recht auf Konsultation wird missachtet, um den Unternehmen den Zugang zu den natürlichen Ressourcen zu erleichtern. Ausserdem sind die Gemeinschaften aufgrund von Fehlinformationen der Unternehmen gespalten. Der Frieden und die Solidarität, wie bisher von den Chorti gelebt, sind in Gefahr».

"Ich nutze jede Gelegenheit, um auf die Situation in Olapa aufmerksam zu machen"

Um den Widerstand der Gemeinschaften zu unterstützen, verbreitet die CCCND Informationen über die Megaprojekte, die Erhaltung der Umwelt und die Situation der indigenen Chorti. «Ich lebe in einem Dorf in Olopa, in der Nähe der Mine, wo die Demonstrationen gegen die Firma stattfinden. Ich bin Journalistin und nutze jede Gelegenheit, um den Rest des Landes und das Ausland auf die Situation mit der Antiomonmine in Olopa aufmerksam zu machen», berichtet Norma Sancir. Die gewaltsamen Übergriffe gegen die Organisation Chorti Nuevo Dia haben in diesem Jahr zugenommen. Dazu zählt auch ein Attentat auf das Haus des Direktors Omar Geronimo, dessen Bruder in diesem Jahr ermordet wurde. Die Organisation leidet zudem unter Verleumdung: Mitglieder der CCCND werden beschuldigt, anfangs Juli drei Bauarbeiter eines anderen Megaprojektes - eine Autobahn, die den Pazifik und den Atlantik verbinden soll und die Chorti Region durchquert - ermordet zu haben. Bis heute sind die wirklichen Verantwortlichen nicht identifiziert. «Unter diesen Umständen ist die Unterstützung von PBI sehr wertvoll », fährt Norma Sancir fort. «Wir fühlen uns sicherer, werden von den Behörden ernst genommen und wissen, dass die Informationen weitergegeben werden. Das Risiko von Übergriffen sinkt, da die Angreifer wissen, dass wir nicht alleine sind».

Laut der Aktivistin wird sich die Situation unter dem neuen Präsidenten Alejandro Giammatei ab Januar 2020, in Nachfolge auf Jimmy Morales, nicht verbessern: «Um die Entwicklung des Landes voranzutreiben, hat er bereits weitere Wasserkraft-Megaprojekte, Bergbaukonzessionen und die Intensivierung von Monokulturen angekündigt. Es sind jedoch nie die indigenen Völker, die wirtschaftlich von dieser Art von Entwicklung profitieren».