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Kolumbien: Ermordung des Menschenrechtsverteidigers Huber Velásquez in San José de Apartadó

Kolumbien: Ermordung des Menschenrechtsverteidigers Huber Velásquez in San José de Apartadó
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Am Freitag, den 17. Dezember 2021, wurde der Menschenrechtsverteidiger Huber Velásquez in der Ortschaft La Balsa, Corregimiento von San José, Kolumbien ermordet. Die Gemeinde versammelte sich für einen Marsch, um Gerechtigkeit und Respekt zu fordern.

Kurz vor seinem Tod inspizierte Velásquez den Strassenbau zwischen Apartadó und dem Dorf San José, welcher bei der lokalen Bevölkerung starke Proteste ausgelöst hatte. Durch den Bau entstanden zahlreiche Schäden an den Häusern und Strassen in der Umgebung. Diese Situation veranlasste Velásquez zu mehreren öffentlichen Beschwerden gegen die Stadtverwaltung.

Der Menschenrechtsverteidiger wurde bereits viele Jahre wegen seiner Rolle als Gemeindevorsteher bedroht. Doch als Folge der Beschwerden über den Bau hatte er eine deutliche Zunahme der Drohungen festgestellt und sogar Morddrohungen von Paramilitärs bei sich zuhause erhalten. Die Friedensgemeinschaft von San José beobachtet seit geraumer Zeit eine Zunahme der paramilitärischen Präsenz in der Region. Die Gemeinschaft hat in verschiedenen Berichten auf die Zwangsrekrutierung von Minderjährigen, Morddrohungen, Ermordungen und territoriale sowie soziale Kontrolle aufmerksam gemacht.

Menschenrechtsverteidiger*innen in akuter Gefahr

Wie Huber Velásquez hatte sich auch sein Bruder Iván für die Rechte der Gemeinde eingesetzt. Er wurde am 2. Januar 2002 ermordet. Dies geschah, nachdem er sich geweigert hatte, an der Nahrungsmittelbelagerung teilzunehmen, die die Armee als Druckmittel gegen die Friedensgemeinschaft eingesetzt hatte. Nach Angaben von Indepaz sind im Jahr 2021 mit Velásquez über 160 Führungspersönlichkeiten und Menschenrechtsverteidiger*innen ermordet worden. Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens 2016 sind es insgesamt 1'280.

Marsch für den Respekt des Lebens

In diesem gewaltsamen Kontext haben die Mitglieder der Gemeinschaft beschlossen, erneut den Mut und die Würde zu zeigen, die sie im Laufe ihrer Geschichte ausgezeichnet haben, um den Mord an Huber entschieden anzuprangern. So versammelten sich am Morgen des 23. Dezembers Dutzende von Menschen vor der Gemeinde zu einem Marsch für den Respekt des Lebens und die Verteidigung des Territoriums. Die Aktion zielte auch darauf ab, aktiv Widerstand gegen diejenigen zu leisten, die versuchen ihre Stimmen gewaltsam zum Schweigen zu bringen.

Trotz des Schmerzes drückten die Redner*innen auch Worte der Hoffnung aus: Nichts sei wichtiger als "den Weg der Verteidigung des Lebens fortzusetzen, gegen das Verschweigen der Wahrheit und für die Erinnerung an diejenigen zu kämpfen, die den Mut hatten, die Grundsätze der Gerechtigkeit und Solidarität zu verteidigen".

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