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Zurück aus Kolumbien: Manuel Müller

Manuel Maulesel
ssim

Manuel Müller aus Zürich ist kürzlich aus einem 20-monatigen Einsatz mit PBI in Kolumbien zurückgekehrt. Nach einer äusserst intensiven Zeit - inklusive hartem Corona Lockdown - geniesst er es, sich in der Schweiz wieder frei bewegen zu können.

"Wer hätte gedacht, dass ich während meines Einsatzes eine globale Pandemie erleben würde? Neben der Pandemie, die die Arbeit von PBI auf den Kopf gestellt hat, hat sich aber auch die Menschenrechtssituation nicht verbessert, im Gegenteil. Die letzten zwei Jahre waren die blutigsten seit dem Friedensabkommen zwischen der ehemaligen Guerrilla FARC-EP und der kolumbianischen Regierung. Nach der intensiven Zeit in Kolumbien und einem Ausmass an Gewalt, das ich so nicht kannte, geniesse ich es, mich in der Schweiz wieder frei bewegen zu können und keine Ausgangssperren – sowohl wegen Corona als auch wegen dem Konflikt – beachten zu müssen.

Zu Fuss, Maultier, Motorrad und Schiff unterwegs

Meine Zeit in Kolumbien war sehr abwechslungsreich. Über ein Jahr verbrachte ich in Apartadó, einer Kleinstadt im Nordwesten Kolumbiens, die letzten sieben Monate in der Hauptstadt Bogotá. Während ich in Apartadó in sehr abgelegenen Gebieten Menschenrechtsverteidiger*innen zu Fuss, auf dem Maultier, Motorrad oder Schiff begleitete, war ich vom PBI-Haus in Bogotá hauptsächlich in einem urbanen Umfeld unterwegs. Dabei leistete ich häufig internationale Beobachtung im Rahmen sozialer Proteste.

Widerstand trotz Todesgefahr

Am beeindruckendsten war für mich die Widerstandskraft vieler Menschenrechstverteidiger*innen. In Apartadó begleitete ich beispielsweise die Friedensgemeinschaft von San José de Apartadó, eine Kleinbauerngemeinschaft, die sich im Konflikt neutral erklärt hat und die sich nicht von ihren Ländereien vertreiben lässt, trotz der ständigen Angriffe und Drohungen gegen sie. In ihrem Kampf um ein würdevolles und friedliches Leben wurden schon über 300 Gemeinschaftsmitglieder umgebracht. Andererseits begleitete ich auch Menschenrechtsanwält*innen wie Alejandra Garzón von der Organisation dhColombia, die Opfer von Polizeigewalt vertritt; ein nicht ungefährliches Vorhaben in Kolumbien.

Neue digitale Risiken

Die Ungerechtigkeiten und Bedrohungen hautnah zu erfahren, hat mir die Augen geöffnet, wie die Realität vieler Aktivist*innen aussieht. Dabei geht es nicht nur um physische Risiken, sondern auch um psychologische Gewalt und neue digitale Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, wie die letztjährige «Fichenaffäre» zeigte. Mehrere Personen, die durch PBI begleitet werden, standen auf der Liste beschatteter Menschenrechtsverteidger*innen. Als privilegierter Schweizer fühle ich mich seit meinem Einsatz umso mehr dazu verpflichtet, mich international für die Menschenrechte einzusetzen."

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