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Guatemala: Die Krise zeigt die Bedeutung der Kleinbauernfamilien

Guatemala: Covid-19 zeigt Bedeutung der KleinbäuerInnen
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PBI Guatemala berichtet im monatlichen Informationsbulletin, mit welchen Problemen das Land wegen Covid-19 konfrontiert ist, und wieso dies eine Chance für die Kleinbauernfamilien sein könnte. 

Bis Ende April vermeldete das Gesundheitsministerium Guatemalas 599 bestätigte Corona-Fälle, davon 66 genesen und 16 verstorben. Während die im März eingeführten Quarantäne-Massnahmen bis am 5. Juni verlängert wurden, gelang es dem guatemaltekischen Kongress immer noch nicht, Gelder für den Gesundheitsbereich und bedürftige Familien zu genehmigen. Die Ratifizierung neuer Gesetze dauert und mangelnde Transparenz der Behörden verlangsamt diese Prozesse weiter.

Gewalt gegen Bauerngemeinschaften und MRV

PBI ist äusserst besorgt darüber, dass seit Beginn der Coronakrise mehrere bäuerliche und/oder indigene Gemeinschaften gewaltsam von ihrem Land vertrieben worden sind. Die eingeschränkte Mobilität und temporär physische Abwesenheit nationaler und internationaler Organisationen in den Bauerngemeinschaften verschärft die Situation. Auch MenschenrechtsverteidigerInnen (MRV) spüren negative Auswirkungen. Beispielsweise wurde in das Zuhause von Esteban Celada, ein aktives Mitglied von 'Anwälte gegen Folter in Lateinamerika', eingebrochen und alles verwüstet. Die Situation wird auch in den Gefängnissen immer dramatischer, da Überbevölkerung und mangelnde Hygiene nun noch schwerwiegendere Folgen haben können. Zudem sind Besuche momentan nicht erlaubt.

Das PBI-Team vor Ort setzt aktuell intensiv auf Telefonkontakt und virtuelle Treffen mit den begleiteten Personen und Organisationen sowie mit dem Netzwerk. PBI beobachtet auch die Situation in den Gefängnissen genau und fragt regelmässig telefonisch nach dem Gesundheitsstand inhaftierter MRV.

Forderungen der Bauernverbände

"Während der Corona-Krise versorgen und ernähren sich guatemaltekische Familien, sei es in den Städten oder auf dem Land, von dem, was wir indigenen Völker, Kleinbauern und -bäuerinnen auf unseren bescheidenen Feldern produzieren. (...) Es ist diese kleine Produktion, die es Familien ermöglicht, sich zu ernähren."

Dieser Ausschnitt der Erklärung von vier Bauernverbänden zeigt, wo die Krise hinführen könnte. Sie erläutern, dass Klein- und Familienbetriebe mit der tatkräftigen Unterstützung des Staates das Potenzial hätten, eine sichere Nahrungsquelle für Guatemala zu werden. So könne man einerseits die Pandemie bewältigen, andererseits aber auch dabei helfen, Millionen von armen, ausgegrenzten Personen einen Weg aus der Armut zu ermöglichen. Sie suchen in ihrem Schreiben die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden und verlangen dabei die Miteinbeziehung der Öffentlichkeit. Es bleibt abzuwarten, ob die guatemaltekische Regierung im Mai adäquate Massnahmen gegen Covid-19 durchsetzen kann.

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