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Guatemala: Alarmstufe rot für die Pressefreiheit

Der Zustand der Pressefreiheit in Guatemala hat sich dieses Jahr im Vergleich zu 2019 weiter verschlechtert. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich Angriffe auf JournalistInnen und MenschenrechtsverteidigerInnen vervielfacht.

Der Zustand der Pressefreiheit in Guatemala hat sich dieses Jahr im Vergleich zu 2019 weiter verschlechtert. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich Angriffe auf JournalistInnen und MenschenrechtsverteidigerInnen vervielfacht.

Laut Reporter ohne Grenzen befindet sich Guatemala auf dem Index zur Pressefreiheit auf Rang 116 von 180 und liegt somit in der roten Zone. Auch unter dem neuen Präsidenten Alejandro Giammattei, der im Januar 2020 sein Amt antrat, hat sich daran nicht viel geändert. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gab es 43 Anzeigen zu Angriffen auf JournalistInnen. Eine Verbesserung der Situation ist nicht in Sicht.

JournalistInnen als MenschenrechtsverteidigerInnen

Laut dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte besteht die ursprüngliche Aufgabe von JournalistInnen darin, Informationen zusammenzutragen und auf verschiedenen Kanälen wie Zeitung, Radio und Fernsehen zu veröffentlichen. Gemäss dieser Definition gelten JournalistInnen nicht als MenschenrechtsverteidigerInnen. Je nach Inhalt der Berichterstattung können sie aber als solche fungieren, beispielsweise, wenn sie über Verstösse gegen die Menschenrechte berichten. Deswegen sind JournalistInnen in Guatemala und in vielen anderen Ländern oft grossen Risiken ausgesetzt.

Schutz für alle BerichterstatterInnen

In Guatemala, wie auch in den meisten anderen Ländern Lateinamerikas, wird die Informationsarbeit von Personen aus unterschiedlichen Kontexten ausgeübt. Die Spannbreite reicht von JournalistInnen mit akademischem Abschluss über solche, die nicht durch eine Ausbildung, sondern durch Leidenschaft zu diesem Beruf gefunden haben, bis hin zu den sogenannten LokaljournalistInnen. Der Lokaljournalismus entstand vor rund 10 Jahren aus einem Mangel an Berichterstattung zu Themen auf Gemeinde- und Bezirksebene. Die grossen Medien verfolgen oft Agenden, in welchen indigene Völker stereotypisiert und lediglich im Zusammenhang mit negativen Ereignissen wie Lynchmorden oder Demonstrationen thematisiert werden. Die Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppen bleiben oft weitgehend unerwähnt, eine Lücke, die der Lokaljournalismus zu schliessen versucht. Aufgrund der unterschiedlichen Kontexte sehen sich die JournalistInnen jeweils mit unterschiedlichen Risiken konfrontiert, vor welchen sie geschützt werden müssen.

Auswirkungen des Notstandregimes

Seit dem 5. März 2020 herrscht in Guatemala aufgrund der Corona-Pandemie Notstand. Immer mehr Stimmen gegen die Intransparenz der Regierung werden laut, speziell in Bezug auf die Information über die Verbreitung der Pandemie. In dieser Zeit, in welcher die journalistische Arbeit von noch grösserer Wichtigkeit wäre als sonst, wird sie weiter erschwert. So werden JournalistInnen von den offiziellen Kommunikationskanälen der Regierung ausgeschlossen und die Fälle von Einschüchterungen und Bedrohungen der JournalistInnen häufen sich. Ausserdem erschwert die eingeschränkte Bewegungsfreiheit die Berichterstattung über abgelegenere Regionen. PBI und andere zivilgesellschaftliche Organisationen vor Ort zeigen sich besorgt über die Zustände.

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