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Bericht von Frontline Defenders über die Situation der MRV 2020

Bericht über Menschenrechtsverletzungen 2020 von Frontline Defenders, Blick auf Kolumbien
ag

Front Line Defenders veröffentlichte kürzlich seinen Bericht 2020 zur Situation der MenschenrechtsverteidigerInnen weltweit. 

Der Bericht für 2020 ist erschreckend: 331 VerteidigerInnen wurden im Jahr 2020 getötet; 69% der Opfer verteidigten Land- und Umweltrechte, 26% setzten sich für die Rechte indigener Völker ein, 28% kämpften für Frauenrechte, und noch beunruhigender ist die folgende Zahl: 177 der Opfer waren KolumbianerInnen - mehr als die Hälfte weltweit. 

Straflosigkeit ist nach wie vor die Norm und den Ermordungen gingen oft aggressive Diffamierungskampagnen online und offline voraus, die darauf abzielten, die Arbeit der Betroffenen zu diskreditieren. Oftmals geschehen die Ermordungen im Zusammenhang mit Bergbau- und Staudammprojekten, welche häufig zu Konflikten und Rechtsverletzungen führen. Hier besteht ein fundamentales Missverhältnis zwischen den Verantwortlichkeiten und Handlungen von Unternehmen, Investoren und lokalen Behörden einerseits und den Rechten der Gemeinschaften andererseits, dazu zählt beispielsweise das Recht, informiert zu werden und geplante Projekte ablehnen zu können.

Auswirkungen von Covid-19

Die Tötungen von MenschenrechtsverteidigerInnen gingen während der Pandemie unvermindert weiter und in einigen Ländern nutzten die TäterInnen den Lockdown, um VerteidigerInnen ins Visier zu nehmen, deren Sicherheitsstrategien zuvor häufige Ortswechsel beinhalteten. Da die AngreiferInnen oft mit der Polizei oder dem Militär in Verbindung stehen, haben die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie in vielen Ländern dazu geführt, dass die TäterInnen dank der erhöhten Polizei- und Militärpräsenz im öffentlichen Raum leichten Zugang zu den VerteidigerInnen hatten.

Situation der MRV in Kolumbien

Im Jahr 2020 hat die Gewalt gegen MenschenrechtsverteidigerInnen in Kolumbien weiter zugenommen, insbesondere gegen diejenigen, die an der Umsetzung des Friedensprozesses beteiligt sind, sowie gegen diejenigen, die sich in freiwilligen Initiativen zur Substitution des Drogenanbaus engagieren oder sich gegen den Abbau natürlicher Ressourcen wehren. In den ersten sechs Monaten des Jahres meldete Programa Somos Defensores (Kolumbien) einen Anstieg der Zahl der getöteten VerteidigerInnen um 61% im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Von diesen Ermordungen ereigneten sich 48% in einer Zeit, in der die Regierung starke Restriktionen oder eine Ausgangssperre verhängt hatte, was die wiederholte Beobachtung der Bedrohten bestätigt, dass die TäterInnen sich nicht an den Lockdown halten.

Die Zahlen für Lateinamerika verdeutlichen dies auf traurige Weise: Neben Kolumbien stehen auch Guatemala, Mexiko und Honduras an der Spitze dieses düsteren Rankings. 

Mehr Informationen:

Infografie Frontline Defenders