Frauen sind in stärkerem Masse von Armut, Gewalt und Unterdrückung betroffen. Von den 1.3 Milliarden Menschen, die in extremer Armut (mit weniger als einem Dollar pro Tag) leben, machen sie 70% aus. Zwei Drittel aller AnalphabetInnen sind Frauen. In politischen Entscheidungsprozessen sind sie immer noch stark unterrepräsentiert. So besetzen Frauen weltweit nur 16.8 Prozent aller Parlamentssitze. An vielen Orten erhalten Frauen für die gleiche Arbeit weniger Lohn. Ihre häufigste Todesursache ist spezifisch gegen sie gerichtete Gewalt. Nicht nur während Konflikten sondern auch beim Wiederaufbau von Staaten werden die Bedürfnisse und die Rechte der Frauen vergessen oder bewusst ausser Acht gelassen. Häufig können sich Frauen nicht an die staatlichen Behörden wenden, um Schutz vor Gewalt zu suchen, da ihre Anliegen nicht Ernst genommen werden.
PBI schützt, beobachtet und berichtet über Organisationen, die sich für mehr Respekt gegenüber Frauen, für Gleichberechtigung, Chancengleichheit und den Einbezug von Frauen in den politischen und wirtschaftlichen Alltag einsetzen.
Gewalt gegen Frauen ist eine der meist verbreiteten Verletzungen der Menschenrechte. Jede dritte Frau leidet in ihrem Leben unter Gewalt, wobei häusliche Gewalt die häufigste ist. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit eine von fünf Frauen in ihrem Leben Opfer von Vergewaltigung oder versuchter Vergewaltigung wird. Menschenhandel in Sektoren wie Prostitution, häuslicher Arbeit, Landwirtschaft, Textilindustrie und Betteln trifft Frauen überproportional. Gefangen im Teufelskreis von Armut, Unterdrückung und Gewalt sind Frauen leichtere Beute für Menschenhändler. In heutigen bewaffneten Konflikten leidet die Zivilbevölkerung, darunter vor allem Frauen und Kinder, sehr stark. Ausbeutung und Vergewaltigung von Frauen werden an vielen Orten als Kriegsstrategie genutzt.
In Konflikt- und Postkonfliktregionen sind Feminizide, also frauenspezifische Morde, ein häufiges Phänomen. Dies erklärt sich einerseits durch die Schwäche des Staates und die Präsenz bewaffneter Akteure, andererseits senkt ein jahrelanger Konflikt die Hemmschwelle für die Anwendung von Gewalt. Besonders schwerwiegend ist die Situation in Guatemala. Seit 2001 wurden dort über 4000 Frauen ermordet. Sie sind in der Regel zwischen 13 und 33 Jahre alt und weisen sehr unterschiedliche sozio-professionelle Hintergründe auf: Unter den Opfern sind Lehrerinnen, Bäuerinnen, Gewerkschaftsführerinnen, Hausangestellte und Marktverkäuferinnen. Mehr zu Feminiziden im Bulletin 09/08
> Artikel zum Thema Feminizid: "Mujeres, ¿por qué las odian tanto?", Marcela Águila Rubín, swissinfo.ch
Viele Begleitorganisationen von PBI sind aktiv dank der Initiative und dem Engagement von Frauen. So kam die erste Anfrage an PBI, die damals erst im Entstehen begriffen waren, vor 25 Jahren von einer Frau. Nachdem Nineth Montenegros Mann im Bürgerkrieg in Guatemala verschwand, gründete sie mit anderen Frauen zusammen die GAM (Gruppe zur gegenseitigen Unterstützung). Mit Todesdrohungen konfrontiert, suchte sie Schutz durch die Begleitung von PBI.
In Ländern wie Kolumbien und Guatemala, wo blutige Bürgerkriege gewütet haben und Entführungen und «Verschwindenlassen» zur Tagesordnung gehörten und heute noch alltäglich sind, bleiben Frauen oft alleine zurück. Die Witwen und hinterbliebenen Familien müssen alleine mit dem Verlust zurechtkommen, ohne etwas über das Schicksal ihrer Männer zu erfahren, geschweige denn, dass die Verbrechen aufgeklärt würden oder die Hinterbliebenen Genugtuung erhielten. Dies mag einer der Gründe sein, wieso Frauen in diesen Ländern stark involviert sind in Verschwundenen- und Hinterbliebenenorganisationen, die sich für die Aufklärung dieser Verbrechen und die Bestrafung der Täter einsetzen. Dazu gehören die von PBI begleiteten Organisationen AFADEM (Vereinigung der Angehörigen von Verhafteten, Verschwundenen und Opfern von Menschenrechtsverletzungen) in Mexiko, CONAVIGUA (Nationale Witwenvereinigung) in Guatemala und ASFADDES (Vereinigung der Angehörigen von Verhafteten und Verschwundenen) sowie MINGA (Vereinigung für die Förderung einer sozialen Alternative) in Kolumbien.
Wenn lokale Gemeinschaften den Interessen von Grossbetrieben oder den höher gewerteten Wirtschaftsinteressen des Staates weichen müssen, ist für Frauen die Verdrängung von ihrem Lebensraum besonders einschneidend. So sind Frauen sehr aktiv, wenn es darum geht, Umwelt- und Landrechte zu verteidigen. In Mexiko setzt sich die OMESP (Organisation von Umweltschützerinnen aus dem Petatlán-Gebirge), die von Celsa Valdovinos Ríos und ihrem Mann gegründet wurde, für den Schutz der Wälder in der Sierra de Petatlán ein. ASALI (Vereinigung Freundinnen des Izabalsees) und ihre legale Vertreterin Eloyda Mejía kämpfen in Guatemala für den Schutz des Izabal-Sees gegen die Interessen des Nickelunternehmens (CGN), das zu einem kanadischen Grosskonzern gehört. In Indonesien engagiert sich Kampagnenleiterin Aline seit 10 Jahren bei der Organisation WALHI, die sich für den Umweltschutz und die Erhaltung nachhaltiger Produktikonsweisen einsetzen. Mehr zu Aline und der Arbeit von WALHI im PBI-Bulletin 04/08 (Portrait)
In den PBI Projektländern leiden viele Frauen unter Gewalt und Unterdrückung. Um deren Rechte zu verteidigen, gibt es Organisationen, die nur aus Frauen bestehen und sich zum Ziel gesetzt haben, Frauen in den politischen und sozialen Prozessen zu Akteurinnen zu machen und sie am wirtschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. In Guatemala setzt sich der Sector de Mujeres (Frauensektor) für die wirtschaftliche Entwicklung von Frauen ein und kämpft gegen die Gewalt, die gegen sie ausgeübt wird, indem sie Straflosigkeit und Frauenmorde anklagt. Die OFP (Volksorganisation der Frauen) in Kolumbien engagiert sich für eine aktive Rolle der Zivilgesellschaft und besonders der Frauen inmitten eines jahrelangen Konflikts. Die Organisation arbeitet mit Vertriebenen, macht Sensibilisierungsarbeit, bietet medizinische und psychologische Behandlungen an und führt juristische Beratungen durch.
07.02.2012
Treffen der Regionalgruppe Luzern
17.03.2012 - 18.03.2012
Training Schweiz - der erste Schritt ins PBI-Team
Bischof Medardo Gómez