Kolumbien, Grabkreuze im Chocó erinnern an die Opfer der Operación Génesis, © Jorge Mata.

Palmölanbau - Ein der Verarmung zuträgliches Entwicklungsmodell

Der gegenwärtige Agrotreibstoff-Boom hat in Kolumbien neue Konfliktdynamiken erzeugt und bereits bestehende Konflikte verschärft. Im Kampf um die Verteilung von Land, das traditionell indigenen oder kleinbäuerlichen Gemeinschaften zugesprochen war, mischen nicht nur die örtlichen Polizei- oder Armeeeinheiten und bewaffnete Gruppierungen mit. Die grösste Herausforderung für PBIs Partnerorganisationen in den unzähligen Konflikten rund um den Anbau von Palmölplantagen, sind die multinationalen Konzerne geworden, die meist bedingungslosen Rückhalt seitens der Regierung geniessen.

Kleinbauern leiden unter gewaltsamen Vertreibungen

Im April 2006 begleitete PBI im an der Pazifikküste gelegenen Departement Chocó Familien, die einst von ihrem angestammten Land im Flusslauf des Curvaradó vertrieben wurden. 1997 mussten die dort siedelnden Kleinbauern, Indigene und Afrokolumbianer im Rahmen der von den Paramilitärs durchgeführten «Operation Genesis» unter Drohungen und Anwendung massiver Gewalt ihr Land verlassen. Die Eindringlinge handelten im Namen der grossen Palmölkonzerne, um diesen den grossflächigen Anbau von Monokulturen zu ermöglichen. Obwohl der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte 2005 den Anbau von Ölpalmen auf dem Land von einst vertriebenen Gemeinschaften in diesem Gebiet als illegal erklärt hatte, haben die Betroffenen bis heute nichts von der ihnen zugesprochenen Entschädigung gesehen.

Im Versuch, fast ein Jahrzehnt nach ihrer Vertreibung, ihr Land zurück zu erobern, fällten die Bauern zahlreiche Ölpalmen, die sich über zehntausende von Hektaren erstreckten. Bei ihrer Rückkehr erfuhren sie massive Drohungen seitens der Sicherheitskräfte der Palmölkonzerne und des Staates. Die Gemeinschaften liessen sich trotzdem nicht an ihrer Rückkehr hindern. Mit der Unterstützung anderer lokalen Gemeinschaften und der Begleitung internationaler Organisationen wie PBI, begannen die Leute ihr Land wieder mit Saatgut für den Grundbedarf zu bebauen. Nach einer Weile wurden die lokalen Behörden auf ihre Arbeit aufmerksam, fragten die Bauern nach ihren Namen und filmten sie beim Fällen der Palmen. Kurz darauf bekam auch die regionale Zeitung El Heraldo de Urabá Wind von der Sache und bezichtigte die Bauern «terroristischer Taten». In der Folge wurden die unterstützenden Organisationen und die mit Namen genannten Bauern von Unbekannten bedroht, zwei Bauern entgingen nur knapp einem Attentat. Die zurückgekehrten Vertriebenen führen trotz der anhaltenden Drohungen ihren gewaltlosen Kampf um ihr gestohlenes Land weiter.

So ist der Anbau von mehrjährigen Ölpalmkulturen in Kolumbien Teil eines Entwicklungsmodells geworden, das der indigenen Landbevölkerung nur zwei Möglichkeiten lässt: sich unterordnen oder wegziehen. In beiden Fällen verlieren sie meistens über kurz oder lang ihre Lebensgrundlage. Die oftmals illegalen Enteignungen gehen mit massiven Menschenrechtsverletzungen und einer enormen physischen Gewalt einher.

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