Palmölanbau - Ein der Verarmung zuträgliches Entwicklungsmodell

Der gegenwärtige Agrotreibstoff-Boom hat in Indonesien neue Konfliktdynamiken erzeugt und bereits bestehende Konflikte verschärft. Im Kampf um die Verteilung von Land, das traditionell indigenen oder kleinbäuerlichen Gemeinschaften zugesprochen war, mischen nicht nur die örtlichen Polizei- oder Armeeeinheiten und bewaffnete Gruppierungen mit. Die grösste Herausforderung für PBIs Partnerorganisationen in den unzähligen Konflikten rund um den Anbau von Palmölplantagen, sind die multinationalen Konzerne geworden, die meist bedingungslosen Rückhalt seitens der Regierung geniessen.

Grosskonzerne profitieren von Gesetzeslücken

Die indonesische Regierung plant bis 2020 eine Ausweitung der Palmölplantagen von rund 20 Millionen Hektaren, was in etwa der kumulierten Fläche von England, Holland und der Schweiz entspricht - der Pantherstaat ist auf dem besten Weg, sich zum weltweit grössten Palmölhersteller zu mausern. Gerade für die stark unterentwickelte Kalteng-Provinz ist das Palmöl als ergiebiger Devisenbringer auf den ersten Blick ein Segen. Doch mit dieser massiven Expansion von Anbauflächen sind Konflikte zwischen den multinationalen Konzernen und den ansässigen Gemeinschaften verbunden. Laut indonesischem Gewohnheitsrecht gehört indigenes Land den Gemeinschaften, die es bewirtschaften. Doch im Jahr 2005 verabschiedete Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ein Gesetz, wonach die Regierung nunmehr das Recht hat, einseitig über die Nutzung von indigenem Land für «entwicklungspolitische» Zwecke zu bestimmen. Die einzige Verpflichtung, die der Staat eingeht, ist die Auszahlung einer kleinen Entschädigung im Fall einer Enteignung. Diese Situation wird von den Palmölkonzernen schamlos ausgenutzt. Sie eignen sich einst indigenes Land an und lassen ihre Plantagen von privaten oder staatlichen Sicherheitskräften bewachen. Indigene Protestaktionen parieren sie mit Gewalt und Drohungen. Die von den Plantagenwächtern begangenen Menschenrechtsverletzungen werden kaum je geahndet, was auf ein stilles Gutheissen der Regierung schliessen lässt.

WAHLI-Friends of the Earth Indonesia

WALHI hat PBI Anfang 2007 gebeten, Kalteng zu besuchen, da sie und andere in der Region aktive NGOs schon mehrmals Drohungen von Sicherheitskräften im Umfeld der Palmölkonzerne erhielten. Daher reiste das Jakarta-Team von PBI letztes Jahr in die im Süden der Borneo-Insel gelegene Provinz, um die Situation zu erörtern und das Bedürfnis an künftigen Begleitungen in der Region abzuschätzen.

WAHLI ist das grösste Forum Indonesiens für Nichtregierungsorganisationen, welche auf Gemeindebasis im Bereich des Umweltschutzes aktiv sind. WAHLI ist in 26 Provinzen präsent und weist über 436 Mitgliedsorganisationen auf. Schwerpunkte von WAHLI sind soziale Veränderung, Volkssouveränität und Verbesserung der Lebenserwartung wie auch nachhaltige Ressourcennutzung und Umweltschutz. Sie verteidigen die natürlichen Ressourcen Indonesiens und beschützen lokale Gemeinschaften vor Ungerechtigkeiten im Namen des «Wirtschaftsfortschritts». Infolge ihrer Arbeit werden Mitglieder von WAHLI regelmässig bedroht und unter Druck gesetzt. PBI begleitet WAHLI, um ihren Handlungsspielraum zu erweiten und ihre wertvolle Arbeit zu unterstützen.

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