Foto Guatemalanetz 2008

Guatemala - Land und Kontext

Der Bürgerkrieg ist beendet, ein Ende des Konfliktes nicht in Sicht

Die Geschichte Guatemalas ist durch eine Serie von Militärdiktaturen geprägt. Anfang der 60er Jahre mündeten die sozialen Ungleichheiten zwischen Oligarchie und indigener Bevölkerung in einen 36 Jahre dauernden internen Konflikt. Die 1996 unterschriebenen Friedensabkommen hatten nicht das Potential eine  soziale Besserstellung der Marginalisierten zu bewirken. Die eingeführten politischen Massnahmen führten vielmehr zu einer Schwächung der staatlichen Institutionen. Besonders beunruhigend ist die Destabilisierung in den Bereichen Rechtsstaat und Demokratie.

Prekäre Lage der marginalisierten Bevölkerung

Obwohl die indigene Bevölkerung mindestens 60% der Gesamtbevölkerung ausmacht, leidet sie unter sozialer und politischer Diskriminierung. Mit dem offiziellen Ende des internen Konfliktes ist das Land zudem für internationale Investitionen wieder interessant geworden: Zahlreiche Rohstofffirmen wollen auf indigenem Land natürliche Ressourcen abbauen. Viele Gemeinden wehren sich gegen diese Art der Ressourcennutzung und kämpfen für ihr Recht auf Mitbestimmung. Traurige Folgen dieses Engagements sind Einschüchterungen, Bedrohungen bis hin zu Folter und aussergerichtlichen Hinrichtungen. Die Straflosigkeit für Menschenrechtsverbrechen ist je marginalisierter das Opfer, desto höher: Frauenmorde werden nur zu knapp 2% aufgedeckt.

Konstitutionelle Krise gefährdet Rechtsstaatlichkeit

2007 wurde Álvaro Colom Staatspräsident mit dem Versprechen, sich für ein «sozialdemokratisches Land mit Maya-Gesicht» einzusetzen. Die bisherige Bilanz der Regierungszeit Coloms fällt für eine Mehrheit der Bevölkerung aber enttäuschend aus. Akute Probleme wie der Agrarkonflikt, Kriminalität und Armut ging der Präsident entgegen seiner Versprechen nur zögerlich an. 2010 befindet sich das Land in einer tiefen konstitutionellen Krise, in der Menschenrechtsverletzungen und Straflosigkeit wie zu Zeiten des internen Konfliktes an der Tagesordnung stehen. 

Eine UNO-Kommission schürt Hoffnung

Viel Hoffnung für eine Stärkung der Rechtsstaatlichkeit ruht in der 2008 geschaffenen internationalen Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala (CICIG). Die CICIG soll die illegalen Verbindungen zwischen den Sicherheitskräften und den kriminellen Akteuren zerschlagen und zur Senkung der Straflosigkeit beitragen. 2009 verlängerte die UNO auf die Anfrage Guatemalas hin das Mandat der CICIG um zwei weitere Jahre. Ihr Erfolg hängt jedoch in beträchtlichem Mass vom Willen der politischen Kräfte, sie zu unterstützen ab.

Spezielle Publikationen zu Guatemala

  • «Guatemala: 10 Jahre ohne Krieg...warten auf den Frieden»
    Die Umsetzung der Friedensverträge entwickelt sich mit Schwierigkeiten. Diese durch PBI realisierte Studie versucht, eine Bilanz über die Stärke der Zivilsgesellschaft und die Rolle der Armee in der guatemaltekischen Demokratie zu ziehen. > mehr

  • «Minenausbeutung und Menschenrechte in Guatemala. Die Mine Marlin in der  Region  San Marcos» Peace Brigades International, Projekt Guatemala, 2006. > mehr

Projekte international > Guatemala > Kontext 
Seite empfehlen Seite drucken

Spendenaktion 30 Jahre Schutzbegleitung

«Der bewaffnete Schutz ist dazu da, dich gegen die bewaffneten Kräfte zu schützen. Aber pbi ist dazu da, dich gegen den Befehl, die Waffen zu benutzen zu schützen ... »

Manorani Saravanamuttu, Mutter eines Ermordeten

Frieden hautnah!

Promoting nonviolence and protecting human rights since 1981
Peace Brigades International - PBI Schweiz

deutsch | français
30 Years Defending Human Rights